Bye Sweet Carole – Eine düstere Märchenreise mit Lana Benton
Enthält Spoiler

Bye Sweet Carole – Eine düstere Märchenreise mit Lana Benton

Verfasst am 21. Dezember 2025
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Geschrieben von wyrdsister87

Ein Märchen über Verlust, erzählt durch Lanas Augen

Bye Sweet Carole ist ein handgezeichnetes Horror-Adventure, das sich bewusst zwischen Märchenästhetik und psychologischem Horror bewegt. 

Auf der Nintendo Switch entfaltet das Spiel eine intensive, intime Atmosphäre, in der Spieler:innen die Geschichte aus der Perspektive von Lana Benton erleben.

Lana ist ein junges Mädchen, das im Waisenhaus Bunny Hall lebt. Als ihre enge Freundin Carole Simmons eines Tages spurlos verschwindet, beginnt eine Reise, die Lana nicht nur durch eine fremde Welt führt – sondern tief in verdrängte Ängste, Schuldgefühle und Erinnerungen.

Die wahre Protagonistin: Wer ist Lana Benton?

Lana Benton ist die spielbare Hauptfigur von Bye Sweet Carole. Sie ist kein klassischer Held, sondern ein sensibles, verletzliches Kind, das mit Verlust und Einsamkeit konfrontiert wird.

Charakteristisch für Lana sind:

• ihre starke emotionale Bindung zu Carole

• ihre Neugier trotz offensichtlicher Gefahr

• ihre Angst vor dem Alleinsein

• ihre kindliche, aber entschlossene Art

Lana ist keine Kämpferin. Sie überlebt durch Beobachtung, Verstecken und Verstehen. Ihre Perspektive prägt die gesamte Wahrnehmung der Spielwelt.

Carole Simmons: Das verschwundene Mädchen

Carole Simmons ist nicht spielbar, aber der emotionale Kern des Spiels. Ihr Verschwinden ist der Auslöser der Handlung.

Über Carole erfährt man:

• sie lebte ebenfalls im Waisenhaus Bunny Hall

•sie hatte eine starke Fantasie

• sie erzählte Märchen von einer Welt namens Coral Reef

• sie fühlte sich von einer dunklen Präsenz verfolgt

Ob Carole real verschwunden ist, geflohen oder in die Märchenwelt „übergegangen“ ist, bleibt lange unklar – und ist Teil des psychologischen Horrors.

Bunny Hall: Der Ursprung der Geschichte

Das Spiel beginnt im Waisenhaus Bunny Hall, einem Ort, der auf den ersten Blick warm und sicher wirkt. Doch schnell zeigen sich Risse:

• leere Flure

• verschlossene Räume

•unheimliche Stille

• Erwachsene, die ausweichen oder schweigen

Bunny Hall steht symbolisch für eine Welt, in der Kinder nicht gehört werden. Lanas Suche nach Carole wird hier von Erwachsenen nicht ernst genommen – also macht sie sich selbst auf den Weg.

Coral Reef: Die Märchenwelt hinter der Realität

Auf der Suche nach Carole gelangt Lana in die geheimnisvolle Welt Coral Reef – eine surreale Märchendimension, die Carole einst beschrieben hat.

Eine Welt wie aus einem Kinderbuch …

•handgezeichnete Landschaften

•sprechende Tiere

•verspielte Architektur

•sanfte Farben

… die langsam zum Albtraum wird

Je tiefer Lana vordringt, desto mehr verändert sich Coral Reef:

• Farben verdunkeln sich

• Charaktere wirken gebrochen

• Orte verzerren sich

• die Welt reagiert auf Lanas Angst

Coral Reef ist weniger ein realer Ort als ein psychologischer Raum, gespeist aus Caroles Fantasie – und Lanas Schuldgefühlen.

Der Antagonist: Mr. Kyn

Mr. Kyn ist die zentrale bedrohliche Figur des Spiels. Er tritt als dunkle, groteske Erscheinung auf, die Coral Reef kontrolliert.

Symbolisch steht Mr. Kyn für:

• Angst

• Manipulation

• Macht über Kinder

• verdrängte Traumata

Er jagt nicht nur Lana – er versucht, sie emotional zu brechen.

Gameplay aus Lanas Perspektive

Erkundung statt Kampf

Lana kann nicht kämpfen. Stattdessen muss sie:

• schleichen

• sich verstecken

• Rätsel lösen

• Fluchtwege finden

Diese Hilflosigkeit verstärkt die emotionale Bindung zur Figur enorm.

Rätsel als Spiegel der Psyche

Viele Rätsel stehen sinnbildlich für:

• Erinnerungsfragmente

• ungelöste Konflikte

• Lanas innere Zerrissenheit

Das Spiel erklärt nichts direkt – es lässt erleben.

Story-Verlauf (spoilerarm)

•Caroles Verschwinden in Bunny Hall

•Lanas Entschluss, selbst nach ihr zu suchen

• Übergang nach Coral Reef

• Begegnungen mit verzerrten      • Märchenfiguren

• Konfrontation mit Mr. Kyn

• Die Wahrheit über Carole und Lana

Der Titel Bye Sweet Carole erhält erst im letzten Akt seine volle Bedeutung.

Zentrale Themen von Bye Sweet Carole

• Verlust von Kindheit

• Schuldgefühle

• Fantasie als Flucht

• Machtmissbrauch

• Trauma-Verarbeitung

Das Spiel richtet sich klar an ein erwachsenes Publikum – trotz (oder gerade wegen) seiner Märchenoptik.

Fazit: Warum Bye Sweet Carole mich nicht mehr losgelassen hat

Bye Sweet Carole ist eines jener Spiele, die man nicht einfach „durchspielt“ und dann zur Seite legt. Es ist ein Erlebnis, das sich langsam entfaltet, sich festsetzt und auch lange nach dem Abspann noch im Kopf nachhallt. 

Schon nach den ersten Spielstunden hat mich das Game vollständig in seinen Bann gezogen – nicht durch spektakuläre Action oder laute Effekte, sondern durch seine leise, bedrückende Erzählweise und seine außergewöhnliche Atmosphäre.

Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent Bye Sweet Carole seine Märchenästhetik nutzt, um emotionale Tiefe und psychologischen Horror zu erzeugen. 

Die handgezeichnete Optik wirkt auf den ersten Blick fast unschuldig, doch genau dieser Kontrast macht die dunklen Momente so wirkungsvoll. 

Jede neue Umgebung in Coral Reef fühlte sich an wie ein weiteres Kapitel eines verdrehten Kinderbuchs – wunderschön anzusehen und gleichzeitig unangenehm verstörend. 

Ich hatte ständig das Gefühl, dass hinter jeder Ecke etwas lauert, selbst wenn objektiv nichts passiert.

Die Geschichte rund um Lana, ihre Suche nach Carole und der allgegenwärtigen Bedrohung durch Mr. Kyn hat mich emotional stärker gepackt, als ich es erwartet hätte. 

Besonders gelungen fand ich, dass das Spiel seine Themen nicht erklärt, sondern spürbar macht. Verlust, Schuld, Angst und Verdrängung werden nicht ausgesprochen, sondern durch Bilder, Geräusche und Situationen vermittelt. 

Genau das hat mich so gefesselt – ich wollte verstehen, was wirklich passiert ist, und gleichzeitig hatte ich Angst vor der Wahrheit.

Auch spielerisch hat mich Bye Sweet Carole überzeugt. Die bewusste Entscheidung, auf Kämpfe zu verzichten, verstärkt das Gefühl von Hilflosigkeit und macht jede Begegnung intensiver. 

Statt Stärke geht es um Aufmerksamkeit, Timing und das richtige Einschätzen von Gefahren. 

Für mich hat das perfekt zur Geschichte gepasst und die emotionale Bindung zu Lana noch verstärkt.

Nintendo Switch Erfahrung

Auf der Nintendo Switch war das Erlebnis besonders intensiv. Im Handheld-Modus fühlte sich das Spiel sehr persönlich an – fast so, als würde man allein mit Lana durch diese verstörende Märchenwelt wandern. 

Mit Kopfhörern gespielt, entfaltet der Sound eine enorme Wirkung und sorgt für eine dichte, teilweise beklemmende Stimmung, die mich komplett in das Spiel hineingezogen hat.

Am Ende bleibt für mich das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. 

Bye Sweet Carole ist kein Spiel für zwischendurch und sicher nicht für jeden Geschmack – aber für mich war es ein packendes, emotionales und künstlerisch außergewöhnliches Horror-Adventure, das mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. 

Es ist eines dieser Spiele, die man nicht vergisst, weil sie mehr erzählen wollen als nur eine Geschichte – sie hinterlassen ein Gefühl. Und genau das hat mich an Bye Sweet Carole so begeistert.

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